Meine Geschichte mit Stanislaw Petrow, dem die Menscheit verdankt seit 1983 weiter auf diesem Planeten zu existieren.

Karl Schumacher

„Auf dieser Seite möchte ich Ihnen über eines der beeindruckensten Erlebnisse meines Lebens berichten. Mein Treffen mit Stanislaw Petrow, dem Mann der durch seinen Mut und seine Tapferkeit die Welt rettete .“

Karl Schumacher

Auch Michail Gorbatschow kennt Stanislaw Petrow

Michail Sergejewitsch Gorbatschow hatte von meinem Einsatz für Stanislaw Petrow gehört und deshalb eine Einladung nach Moskau ausgesprochen.

Video von der Aufstellung der Gedenktafeln vom 19. Mai 2019 zu Ehren und Erinnerung an Stanislaw Petrow im kleinen Park an der Vestischen Straße 137 in 46117 Oberhausen-Osterfeld.

Während meiner Rede stand meine Enkelin Hannah Zimmermann, eine meiner neun Enkel, neben mir. (Dauer des Videos 1 Stunde und 6 Minuten. Die Reden beginnen ab der elften Minute.)

Stanislaw Petrow zu Besuch in Deutschland.

Stanislaw Petrow, „THE MAN WHO SAVED THE WORLD“

Wie ich mit Hilfe meines Freundes Helmut Höhn dem Mann dankte, der die Welt gerettet hat.

Im Jahr 1999 war Stanislaw Petrow für 14 Tage zu Besuch im Ruhrgebiet.

Ein halbes Jahr zuvor waren mein Freund Helmut Höhn und ich, (Karl Schumacher) nach Moskau gereist, um uns bei Stanislaw Petrow für die Vermeidung des atomaren 3. Weltkrieges zu bedanken und ihn nach Oberhausen einzuladen.

5 Jahre nach seinem Deutschlandbesuch wurde Stanislaw Petrow mit der Verleihung des World Citizen Awards für Verdienste um die Menschheit geehrt.

Wie es zu diesem Besuch kam, welche welthistorische Entscheidung Stanislaw Petrow getroffen hatte sowie Impressionen seines Besuches in Oberhausen können Sie im folgenden nachlesen.

Im September 1998 erschien folgender Bericht in der Bildzeitung:

Nach der Lektüre dieses Berichtes war ich wie vom Donner gerührt: bis zu meinem 35. Lebensjahr stand mein Leben im Zeichen des „Kalten Krieges“. Die beiden Weltmächte USA und UDSSR standen einander feindselig und unversöhnlich gegenüber: mit Atomwaffen (Pershing II und SS20) hoch gerüstet, ausreichend für einen zigfachen Overkill. Wir hatten den Nato-Doppelbeschluß und tatsächlich stand die Welt näher am Abgrund als wir alle dachten! Diese Atombedrohung war für mich jahrzehntelang auch deshalb so real, weil unser Haus von der Gute-Hoffnungshütte (GHH) nur etwa 500 Meter entfernt lag. Die GHH war seinerzeit noch ein Stahlkonzern von Weltgeltung und so war ich überzeugt, dass eine der russischen Atomraketen auf dieses Werk im Herzen des Ruhrgebietes gerichtet war. Ein Volltreffer für die GHH hätte so auch für mich und meine Familie das Ende bedeutet.

Und nun las ich, dass dieses Szenario beinahe wahr geworden wäre, hätte es damals nicht einen gewissen Herrn Petrow, Oberst der Sowjetarmee und Chef der militärischen Abwehr, gegeben, der gerade dies verhindert hatte. Und eben dieser Mann, der durch seine Besonnenheit die Welt vor dem Untergang bewahrt hatte, sollte – laut Zeitungsbericht – nur etwa 15 Jahre später in bescheidensten Verhältnissen in einem Vorort von Moskau sein Dasein fristen!

Mich ließ der Gedanke nicht mehr los, dass ich etwas für den Mann unternehmen musste, der einen Atomkrieg verhinderte und damit die Welt rettete.

So nahm ich kurze Zeit später Kontakt mit der BILD-Zeitung auf, um die Adresse von Herrn Petrow heraus zu finden. Dabei erfuhr ich zunächst, dass die BILD-Zeitung lediglich den Bericht einer englischen Zeitung übernommen hatte, die ihrerseits einen Artikel aus einem unbekannten russischen Militärblattes übersetzt hatte. Nach etlichen Telefonaten mit Hamburg, Berlin, London und Moskau hatte ich plötzlich eine Adresse:

Stanislaw Petrow, 141195 Frjasino u.l. 60 let SSSR d.1, kv. 152

Wir wollen nach Moskau fliegen

Da ich wusste, dass mein Freund Helmut Höhn ein wenig Russisch konnte („für den Hausgebrauch“ wie er immer betont), habe ich ihm meine Absicht mitgeteilt, Herrn Petrow in Moskau zu besuchen. Auf meine Frage, ob er mich dahin begleiten würde, stimmte mein Freund nach einigem Zögern zu. Mein Plan war, an einem Freitag nach Moskau zu fliegen, dort im Hotel zu übernachten, am Samstagmorgen nach Frjasino zu fahren und nach einer weiteren Übernachtung in Moskau am Sonntag wieder zurück zu fliegen. Ursprünglich geplant war die Flugroute Düsseldorf-Wien-Moskau; es kam jedoch anders: Kurz nach dem Start in Düsseldorf erhielten wir etwa über Frankfurt eine Nachricht aus dem Cockpit nach der Art „Houston, wir haben ein Problem“! Und zwar gab es eine Rauchentwicklung im Cockpit, die den Flugkapitän zur Notlandung in München zwang. Ich erinnere mich, dass ich in dieser Situation meinen Freund fragte: “…Helmut, hast du noch das ‚Vater Unser‘ drauf?“

Mir bleibt das mulmige Gefühl unvergesslich, als wir von einer Kaskade von Feuerwehrwagen rechts und links auf dem Rollfeld eskortiert wurden. Nach der glücklichen Landung wurden wir dann innerhalb von 2 Stunden unbürokratisch auf einen Flug München-Moskau umgebucht.

In Moskau

Mit einem Taxi fuhren wir weiter ins Hotel in der Moskauer Innenstadt und übernachteten dort. Es war Oktober und sehr kalt in Moskau. Etliche Wagen von Hotelgästen, die dort Familienfeste feierten, blieben vor dem Hotel am Laufen. Bei Abstellen der Motoren wären die Wagen wohl wegen der bitteren Kälte nicht wieder angesprungen. Am Samstagmorgen organisierte die Rezeption ein Taxi für uns. Nachdem der Fahrer uns den Preis für die Fahrt nach Frjasino (70 Kilometer einfache Fahrt) nannte, haben wir ihm gesagt, dass er von uns einen Extrabonus erhalten würde, wenn er sehr vorsichtig fährt, er bereit ist einige Stunden zu warten (wir wussten ja nicht, ob die Adresse stimmte, ob es Herrn Petrow wirklich gab, ob er zu Hause ist und ob er uns empfängt) und uns dann auch wieder gesund zurückbringen würde. (Wer einmal mit einem Moskauer Taxi gefahren ist, weiß warum wir diesen Extrabonus angeboten haben). Ich werde die Antwort des Taxifahrers nie vergessen: „Für das Geld fahre ich Euch bis Hamburg“.

In Frjasino

In dem riesigen Wohnungs-Komplex (zu Ehren des 60. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution errichtet) angekommen, war es auch für den russischen Taxifahrer nicht leicht, die Adresse zu finden. Nach Befragung verschiedener Passanten und Herumfahren im Kreis standen wir dann vor dem Haus Nr. 1. Und kurze Zeit später vor der Wohnung 152. Es gab kein Namensschild. Mein Freund Helmut klopfte an. Ein Mann öffnete die Tür. Ja. Wir erkannten ihn. Dies war der Mann, dessen Foto in der Bildzeitung veröffentlicht worden war. Wir stellten uns vor, fragten, ob er Stanislav Petrow wäre. Sagten, dass wir aus Deutschland gekommen seien, um ihn zu sprechen und uns zu bedanken. Er war sichtlich überrascht. Damit hatte er wohl an diesem Samstagmittag nicht gerechnet und bat uns in seine Wohnung. Es war eine sofortige herzliche Verbundenheit vorhanden. Er kochte Kaffee und wir führten ein mehrstündiges Gespräch in seiner Küche. Wir wollten ihn nach Deutschland einladen. Herr Petrow erklärte seine grundsätzliche Bereitschaft für einen Besuch. Er kannte das Schengener Abkommen besser als wir. Aber er besaß keinen Pass und konnte Pass und Visa nur in Moskau beantragen. Es war auch ungewiss, ob er noch als Geheimnisträger galt und ausreisen durfte. Wir besprachen alle notwendigen Formalitäten in Russland und Deutschland und statteten ihn mit den notwendigen finanziellen Mitteln aus, (er erhielt damals vom russischen Staat eine monatliche Pension von 1000 Rubel und wir hatten im Hotel in der Moskauer Innenstadt für eine Tasse Kaffee 100 Rubel bezahlt) die notwendig waren, damit er nach Deutschland fliegen konnte. Zur Erinnerung an unseren Besuch entstanden folgende Fotos in seiner Wohnung und vor seinem Haus.

Das Haus von Stanislaw Petrow in Fryazino

Stanislaw Petrow mit meinem Freund Helmut Höhn in seiner Küche

Wir sagten ihm zu, alle erforderlichen Papiere in Deutschland zu besorgen, die für ein Visa erforderlich seien. Für notwendige Abstimmungen gab er uns die Telefonnummer eines Nachbarn. Bei der Verabschiedung waren wir optimistisch, dass es gelingen könnte und wir uns in Deutschland wiedersehen würden.

Über den erwarteten Besuch erschien der folgende Presseartikel:

(WAZ 5.12.1998)

Wieder zu Hause

Planmäßig flogen wir am nächsten Tag (Sonntag) nach Hause. Am Montag rief mich Frau Stein vom Frenzel & Stein Reisebüro an und fragte, ob wir noch am Leben seien. Sie war besorgt, weil wir nach ihren Unterlagen zwar in Wien gelandet seien, hätten aber den Weiterflug nach Moskau nicht genommen. Für sie waren wir in Wien verschollen. Von der Notlandung und Umbuchung war ihr ja nichts bekannt.

Stanislaw Petrow zu Besuch in Oberhausen

Der Papierkrieg nahm 6 Monate in Anspruch. Endlich im April 1999 landete Herr Petrow auf dem Flughafen Düsseldorf. Die Begrüßung war so herzlich wie es die Verabschiedung in Frjasino gewesen war. Stanislav Petrow war für 2 Wochen nach Oberhausen gekommen. Er wohnte während seines Aufenthaltes im Parkhotel Oberhausen, Teutoburger Straße 156. Wir besuchten u.a. den Kölner Dom, den Marktplatz in Venlo, den Warner Brothers Movie-Park in Bottrop-Kirchhellen, ein Blueskonzert mit Walter Trout im Oberhausener Ebertbad, das Olgagelände in Osterfeld, das Centro in Oberhausen, den Baldeneysee in Essen und zum Beispiel das Gartencenter Blumen Welling in Osterfeld oder die Filiale der Volksbank Oberhausen-Mülheim an der Vestischen Straße. Besonders beeindruckt hat ihn der Besuch von „Eisenheim“ in Osterfeld, eine der ältesten Arbeitersiedlungen Europas, die bis heute erhalten werden konnte und ihren sozialen Charakter bewahrt hat. Er gab den Fernsehsendern SAT1 und dem WDR kurze Interviews. (Eine Nebenbemerkung: Auch Stern-TV war über den Besuch informiert. Reagierte aber nicht, stattdessen lief dort ein Bericht über einen mobilen Pudelfriseur). Auf Einladung von Herrn Dr. Laroche, dem damaligen Leiter des Sophie-Scholl-Gymnasiums gab Stanislav Petrow eine Geschichtsstunde in der Oberstufe. Wir besuchten ein Jugend-Fussballspiel, das mein Sohn Karl-Markus als Schiedsrichter leitete und Stanislav Petrow führte mit sichtlichem Vergnügen den Anstoß bei Blau-Weiß Fuhlenbrock in Bottrop durch. Vertreter der Stadt Oberhausen empfingen ihn im Oberhausener Rathaus und er gab ein ausführliches Privat-Interview (29 Minuten) zu den damaligen Ereignissen im Jahre 1983.

Ein besonderer Dank gilt Herrn Lew Schwarzmann der während des Besuches von Herrn Stanislaw Petrow in Oberhausen als Dolmetscher tätig war.

Bilder, TV-Berichte und Presseartikel über den Besuch von Stanislaw Petrow in Deutschland